Annual Report

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Jahresbericht  2017

 

1. Einleitung
 
Das Jahr 2017 war für unseren Verein ein gutes Jahr. Im vierten Jahr seines Bestehens hat der Verein „Für Sierra Leone e. V.“ in 2017 seine Aktivitäten weiter ausbauen können. 
 
Unser Verein möchte mit seinen Projekten einen Beitrag zur langfristigen und dauerhaft positiven Entwicklung des Landes Sierra Leone und seiner Bürger leisten. Es wurden im vergangenen Jahr insgesamt fünf Projekte in Sierra Leone unterstützt. 
 
Grundsätzlich streben wir an, dort zu fördern, wo öffentliche Gelder nicht oder unzureichend verfügbar sind, Projekte mit Multiplikatorenwirkung zu unterstützen, dort zu helfen, wo unser Beitrag sicht- und erlebbar ist und wo wir durch unser Netzwerk und unsere Erfahrung einen zusätzlichen Nutzen stiften können gegenüber der „reinen Geldüberweisung“. Unsere Unterstützung konzentriert sich auf vier bewährte Bereiche: 1. Bildung/Ausbildung; 2. Infrastruktur Wasser/Sanitär; 3. Junges Unternehmertum/Existenzgründung; 4. Nothilfe. 
 
 
2. Finanzen
 
Der Verein „Für Sierra Leone e. V.“ hatte zum Jahresende 2017 sechsundzwanzig Mitglieder. Aus Mitgliedsbeiträgen wurden insgesamt Einnahmen von € 5.200,00 erzielt. 
 
In 2017 konnten von Mitgliedern, Freunden und Förderern des Vereins zusätzlich 39 Spenden in Höhe von insgesamt € 117.930,00 eingeworben werden.
 
Im vergangenen Jahr wurden vom Verein projektbezogen insgesamt € 77.684,63 an finanzieller Hilfe ausgereicht. Damit konnten wir die geleistete Hilfe im Vorjahresvergleich verdoppeln.
 
Aufwendungen für die laufende Administration (Miete, Sekretariat, Kommunikation) sind dem Verein im letzten Jahr nicht entstanden. Vorstand und Kassenprüfer haben für ihre Tätigkeit keine Vergütung und keinen Auslagenersatz erhalten. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung für 2017 wurde wieder von Herrn Wirtschaftsprüfer Reinhold Eder erstellt. Somit konnten und können Mitgliedsbeiträge und Spenden ohne Abzug den Hilfsprojekten zufließen.
 
Zum 31.12.2017 verfügte der Verein über Barmittel in Höhe von € 129.868,15.  Zum Thema Finanzen wird die Schatzmeisterin im nachfolgenden Tagesordnungspunkt ausführlich berichten.
 
 
3. Projekte
 
Der Verein „Für Sierra Leone e. V“ hat im vergangenen Jahr fünf Projekte in Sierra Leone finanziell unterstützt:
 
 
a) Projekt UMC Campbell Town Primary School, Waterloo Seit Dezember 2014 unterstützt der Verein die UMC Campbell Town Primary School, ursprünglich im Rahmen einer Nothilfe nach der Ebola-Epidemie. Die monatlichen Zuwendungen ermöglichen es der Schule, für die bedürftigsten Kinder eine grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln, medizinischer Betreuung, Bekleidung und Schulmaterial zu gewährleisten. Die Fördersumme belief sich in 2017 gesamt auf € 16.020,00.   In 2017 konnten mehr als 600 Kinder an der UMC am Unterricht teilnehmen. Die Schule ist jedoch mit ihren personellen und räumlichen Kapazitäten und mit ihrer Infrastruktur (Küche,  Sanitär) für diese Schülerzahl nicht ausgerichtet. Mit höchstem persönlichem Engagement führt der Lehrkörper den Unterricht „behelfsmäßig“ durch. Dennoch konnten im nationalen Schulvergleich der Primary Schools so gute Resultate erzielt werden, dass die Schule in die höchste Leistungsstufe im Schulsystem Sierra Leones eingruppiert wurde.
 
b) Projekt Hosetta Abdullah Memorial Special Needs School Die Hosetta Schule wird seit 2015 mit regelmäßigen monatlichen Zuwendungen unterstützt. Hierdurch wird für die Schüler die Grundversorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikel gesichert. Für dieses Projekt wurden im Jahr 2017 € 5.387,50 aufgewendet.
 
c) Projekt Brunnenbauerschule Der Verein unterstützt das Projekt der Brunnenbauerschule, das gemeinsam mit der Deutschen Welthungerhilfe und dem Verein EMAS International durchgeführt wird, ebenfalls seit 2015. Die Zuwendung des Jahres 2017 wurde im Wesentlichen für die Zurverfügungstellung von Grundausrüstung der Schule (elektrische Installation), für die Erstausrüstung der Mobilen Brunnenbauerschule sowie für die Neugestaltung der Ausstellungsflächen im Freien (Probebohrungen, Sanitäranlagen, Demobrunnen) verwendet. Der Verein hat die Brunnenbauerschule im Jahr 2017 mit € 10.000,00 unterstützt. 
 
Im Mittelpunkt der Arbeiten der Brunnenbauerschule 2017 stand das Projekt „Bonthe“. Bonthe ist eine Halbinsel an der südlichen Küste des Landes. Im Rahmen eines nationalen Projektes zur Verbesserung der lokalen Wasserversorgung wurde unsere Brunnenbauerschule über die WHH und die GIZ beauftragt, mehr als 500 Brunnen lokal zu bohren. Dieses Projekt, welches sich in das laufende Jahr 2018 erstreckte und insgesamt erfolgreich abgewickelt werden konnte, verzögerte jedoch die ursprünglich geplante Weiterentwicklung der Schule (Technikerausbildung, Mobile Schule).
 
Im Herbst des Jahres 2017 wurde die Leitung der Schule nach einer Sonderprüfung durch die Welthungerhilfe, die in Abstimmung mit den Projektpartnern erfolgte, von ihren Aufgaben entbunden und durch ein neues Team ersetzt.
 
d) Projekt Wasserversorgung Hastings Gemeinsam mit den Rotary Clubs Stuttgart-Flughafen, Emmental, München Königsplatz und dem Club Rotary Freetown hat der Verein die Fertigstellung des in 2015 begonnenen Projekts der Wasserversorgung Hastings unterstützt. Der Aus- und Neubau des Damms sowie der Wasserleitungen und Brunnen im Gemeindegebiet wurden im Dezember 2017 abgeschlossen. Die Gesamtinvestition für das Projekt hat € 135.000 betragen. Unser Verein hat mit € 4.150 finanziell zum Projekt beigetragen sowie mit zahlreichen Stunden zur Projektkoordination und -steuerung. Mehr als 350 Haushalte mit ca. 3.500 Personen werden mit frischem Trinkwasser versorgt, ebenso eine Schule, ein Krankenhaus und eine öffentliche Einrichtung.
 
e) Nothilfe Erdrutsch August 2017 Mitte August 2017 hat sich in Freetown ein verheerender Erdrutsch ereignet, der über  1.000 Todesopfer forderte und über 5.000 Menschen obdachlos machte. Durch die starken Regenfälle kam es außerdem im gesamten Land zu Überschwemmungen. Um den Betroffenen schnelle Hilfe zukommen zu lassen hat der Verein im Rahmen einer Nothilfe  € 30.607,50 in drei Programmen zur Verfügung gestellt:
 
1. Unser Projektleiter Joseph Cole hat Wasser, Lebensmittel, Decken,  Kleidung und Hygieneartikel in den Not-Camps an die Betroffenen verteilt. Hierdurch konnten etwa 400 vom Erdrutsch betroffene Familien für die erste Zeit versorgt werden. 
 
2. Die Einrichtung Don Bosco in Freetown hat nach dem Unglück etwa 300 betroffene Kinder aufgenommen. Der Verein hat Don Bosco durch Zuwendungen bei der Versorgung und Betreuung der traumatisierten Kinder unterstützt.
 
3. Die Deutsche Welthungerhilfe in Sierra Leone hat unseren Verein nach den schweren Regenfällen um Unterstützung für die Opfer der Überschwemmungen in der Stadt Bo gebeten. Der Verein hat das Projekt der vor Ort finanziell unterstützt.
 
Der Projektbetreuer unseres Vereins in Sierra Leone, Herr Joseph Cole jr., überwacht für uns die ordentliche Durchführung und den Fortgang der Projekte und berichtet dazu regelmäßig an den Verein. Vor allem nach dem Erdrutsch in Freetown hat Herr Cole schnell und engagiert Hilfe für die Betroffenen im Auftrag des Vereins organisiert. Für Auslagen und Vergütung hat der Verein in 2017 insgesamt € 5.648,50 an Herrn Cole jr. ausbezahlt.
 
In 2017 hat der Vorstand des Vereins unter Einbeziehung eines externen Sachverständigen einen Workshop zum Thema „Bestandsaufnahme und Entwicklungsperspektiven des Vereins „Für Sierra Leone e.V.““ durchgeführt. Neben Vorstand und Geschäftsführung nahmen auch weitere engagierte Mitglieder des Vereins an der Diskussion teil. Unsere bisherigen Aktivitäten wurden kritisch hinterfragt, neue Tätigkeitsfelder diskutiert, organisatorische Fragestellungen zum weiteren Wachstum der Vereinsaktivitäten erörtert.
 

4. Vereinsaktivitäten im laufenden Jahr
 
Im Frühjahr 2018 wurden in Sierra Leone Präsidentschafts- und Parlamentswahlen durchgeführt. Der bisherige Präsident wurde durch den Kandidaten der oppositionellen SLPP, Julius Maada Bio, abgelöst. Die Wahlen sind insgesamt friedlich verlaufen und auch der Übergang von der alten auf die neue Regierung verlief weitgehend störungsfrei. Jedoch haben die daraus resultierenden Umstellungen in der Administration die Entscheidungsprozesse zeitweise sehr verzögert. Die Auswirkungen sind auch in der Arbeit unseres Vereins zu spüren.
 
Der Vorstand des Verein ist im Frühjahr 2018 – nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse - nach Sierra Leone gereist, um zum einen eine persönliche erste Einschätzung der neuen Administration zu bekommen, zum anderen, um alle vom Verein betreuten Projekte vor Ort zu begutachten. Eine weitere Reise ist für November geplant. 
 
Ein besonderes Highlight des laufenden Jahres war die „Bike-Challenge“ unseres Mitglieds Tim Kremer. Tim fuhr mit seinem Fahrrad das TransAmerica Bike Race über 6.800 Kilometer von der Westküste der Vereinigten Staaten bis zur Ostküste. In nur 26 Tagen! Er hatte vor dem

Jahresbericht 2017, September 2018
Rennen zu Spenden zugunsten unseres Vereins aufgerufen. Ca. 13.000 Euro hat Tim Kremer somit für unseren Verein und unsere Arbeit „eingefahren“. Herzlichen Dank! Insgesamt sind im laufenden Jahr bisher mehr als € 25.000 an Spenden eingegangen.
 
Seit Juli 2018 unterstützt Frau Gabriele Rybing die Arbeit unseres Vereins. Frau Rybing ist Bankkauffrau wird vor allem das Reporting der Projekte in Sierra Leone entwickeln. Das erheblich gestiegene Fördervolumen erfordert hier Aktivitäten. 
 
Zur heutigen Mitgliederversammlung gibt es eine Veränderung im Vorstand unseres Vereins:  Patricia Paulus, Gründungsmitglied und Vorstandsfrau „der ersten Stunde“ legt aus beruflichen Gründen ihr Amt mit Wirkung der heutigen Sitzung nieder. Der Vorstand dankt Frau Paulus für ihre großartige Arbeit für den Verein besonders herzlich.
Zur Wahl in den Vorstand hat sich Joachim Geitner bereit erklärt. Herr Geitner (37 Jahre, Dipl.Kaufmann) ist Unternehmer und dem Vorstand seit vielen Jahren persönlich bekannt. Herr Geitner verfolgt die Entwicklung des Vereins mit großem Interesse und ist seit 2016 Mitglied. Derzeit befasst er sich mit der Entwicklung eines Ausbildungsprojektes in Sierra Leone.
Zu unserer laufenden Arbeit in Sierra Leone lassen Sie mich bitte stichpunktartig ausführen:
 
 Das Projekt „Wasserversorgung Hastings“ konnte Anfang des Jahres in die Hände der Kommune in Hastings übergeben werden. Nun geht es darum, den laufenden Betrieb „sicherzustellen“, d.h. Wasserqualität zu prüfen, Wartung durchzuführen, ein Entgeltmodell für die Bewohner zu finden. Hier bleibt einiges zu tun.
 
 Die Unterstützung der „UMC Campbell Town Primary School“ wird auch im Jahr 2018 fortgeführt. Die Unterstützung umfasst wie bisher die Versorgung mit Lebensmitteln, medizinischer Betreuung, Kleidung und Schulmaterial. Zusätzlich wird zum Ende des Jahres der Waisen-Fonds seine Tätigkeit aufnehmen. Ziel dieses Fonds ist es, den Waisenkindern, die wir nach Ebola unterstützt haben, weitere Unterstützung zu gewähren, wenn sie von der Primary School an die Secondary School wechseln.
 
 In 2018 wurde die Hosetta Abdullah Memorial Special Needs School weiterhin mit monatlichen Zuwendungen für Lebensmittel und Kleidung unterstützt. Außerdem wurden 
 
im Frühjahr 2018 wieder zwei Studien-Praktika zusammen mit der Universität Würzburg an der Schule durchgeführt. Hierfür wurden vom Verein Flug- und Aufenthaltskosten übernommen. Frau Gaul und Herr Chab, die beiden Praktikanten, stellen heute unserer Mitgliederversammlung ihren Erfahrungsbericht vor. 
 
Trotz der aufgezeigten Schwierigkeiten setzen wir die Zusammenarbeit mit der Brunnenbauerschule fort. Gerade jetzt ist eine Stabilität auf Seiten der Geldgeber und Unterstützer erforderlich. Allerdings werden wir den Fortgang und die weiteren Entwicklungsschritte noch enger beobachten als bisher. Der Vorstand hatte kürzlich Gelegenheit, den neuen Leiter der Einrichtung persönlich kennenzulernen und kann einen positiven Eindruck vermelden.
 
Außerdem prüft der Vorstand derzeit eine Anfrage unseres Projektpartners Don Bosco für eine Nachfolgeunterstützung der Betroffenen des Erdrutsches von 2017. Hierbei handelt es sich um die Wasser- und Sanitärversorgung einer neu zu errichtenden Siedlung für die vom Erdrutsch besonders betroffenen Familien / Waisenkinder.

 Wir berichteten im letzten Jahr über das Vorhaben, die Wasserversorgung im Hospital „St. John of God“ in Lunsar modernisieren zu wollen. Eine von uns in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie lieferte nicht die notwendigen Erkenntnisse für eine positive Entscheidung des Vereins zur Finanzierung. Eine neue Analyse ist derzeit in Arbeit.
 

Aufgrund der deutlichen Ausweitung unserer Aktivitäten in Sierra Leone planen wir, zum Ende dieses Jahres unseren Verein in Sierra Leone als nicht gewinn-orientierte NGO (Non Governmental Organization) registrieren lassen. Dies impliziert, dass wir vor Ort einen Managing Director haben werden, der nach heutigem Kenntnisstand Joseph Cole jr. sein wird. Ebenfalls benötigen wir ein Büro vor Ort. 
 
 
Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit projektbezogenen Ausgaben auf Vorjahreshöhe. Diese sollten durch die Mitgliedsbeiträge und zusätzlichen Spenden gedeckt werden können. Für die in 2019 angedachten Projekte sind darüber hinaus Finanzmittel einzuwerben. 
 
 
5. Ausblick 2019
 
Über die geschilderten laufenden Projekte hinaus untersucht der Vorstand derzeit mögliche Vorhaben für das Jahr 2019/2020. Zu nennen sind hier:
 
Im Bereich der Ausbildung für Sonderpädagogik prüft der Verein derzeit die Möglichkeit einer Kooperation der Universität Würzburg mit der Hochschule in Makeni (Bildungspartnerschaft Bayern – Sierra Leone)  Im Bereich Aus-/Weiterbildung die Erweiterung der von uns betreuten UMC Primary School um eine Secondary School  Im Bereich Aus-/Weiterbildung und Unternehmertum den Aufbau einer WebDevelopment-Ausbildungseinrichtung
 
 
 
Wir möchten unseren Mitgliedern, Freunden und Förderern für die anhaltende, großzügige  materielle und ideelle Unterstützung auch im vergangenen Jahr herzlich danken. Ein weiterer Dank geht an unseren Wirtschaftsprüfer, Herrn Reinhold Eder, und an unseren Kassenprüfer Herrn Dr. Albert Graf von Schönborn, die uns ehrenamtlich mit Rat, Erfahrung und Tat zur Verfügung stehen. Ein spezieller Dank auch an unseren Mann „vor-Ort“, Herrn Joseph Cole jr., der mit großem Einsatz und Engagement unsere Ideen und Vorhaben kritisch begleitet und umsetzt.

 

Grünwald, im September 2018
 
Der Vorstand
 
Dr. Dietmar Scheiter   Patricia Paulus  Dr. Petra Wibbe